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Abstracts von Modellprojekten, die durch die Stiftung unterstützt werden

ENERGIE UND BAUDENKMAL

Projekttitel:

Erneuerung von Innen - Eine integrale Massnahme zur Verbesserung des Energiehaushaltes von Baudenkmälern


Projektleitung:

Tina Unruh, Architektin, Dipl. Ing., Dipl. NDS ETH
Leitung Kompetenzzentrum Material, Struktur & Energie in Architektur, CC MSE A
Hochschule Luzern - Technik & Architektur
Technikumstr. 21
CH - 6048 Horw
Tel. +41 41 349 33 11
E-Mail: tina.unruh@hslu.ch


Projektpartner:
Projektbeschrieb / Abstract:

Baudenkmäler haben einen materiellen und einen symbolischen Wert. Veränderungen aufgrund geforderter energetischer Massnahmen generieren oft starke Einschränkungen, da sie die histori-schen Oberflächen beeinträchtigen, bzw. nicht kompatible, gestalterische Elemente addieren. Die Baupraxis neigt dazu, Nutzflächen zu maximieren und sämtliche Anforderungen in möglichst dün-nen Schichten zu verdichten, was die sensible Baustruktur eines Denkmals überfordern kann. Ein komplementärer Weg besteht in der Entlastung der Architektur durch rein technische Innovation.

Ein anderer Ansatz liegt in der konstruktiven Entschichtung der Fassade. Er eignet sich v.a. für grossvolumige Bauten, deren Innenraum weniger durch seine Oberflächen, als vielmehr durch seine formale Gestalt schützenswert ist. Hohe Anforderungen werden dabei auf mehrere nieder-technische Schichten aufgeteilt. Die bestehende Fassade bleibt möglichst unangetastet und/oder wird lediglich wieder hergestellt. Nach innen wird eine zweite Hülle angeordnet, welche den heutigen energetischen, akustischen und brandschutztechnischen Anforderungen entspricht.

Je nach Objekt und Nutzung eignen sich bestimmte Raum-/Konstruktionskonzepte zur Erfüllung energetischer Vorgaben. So können die alte und die neue Schicht aneinandergefügt werden (Strategie 1, Futteral) oder einen Zwischenraum für technische Installationen und zur Dämmung generieren (Strategie 2, Schichtenfolge). Bilden hingegen die alte Hülle und die innere neue Schicht einen nutzbaren Zwischen-Raum, wird vom Haus-im-Haus-Typus gesprochen (Strategie 3). Mit diesem Lösungsansatz werden mehrere innovative Ziele verfolgt. Zum einen ermöglicht dieser Weg die Umsetzung aktueller Raumkonzepte und generiert neue Räume mit spezifischen Eigenschaften. Mit dem Prinzip der Entschichtung wird eine ursprüngliche Lowtech-Lösung überprüft und mit modernen Hightech-Planungsinstrumenten ergänzt.

Das Thema "Energie und Baudenkmal" ist eng mit der energetischen Sanierung von Kirchenbauten verknüpft. Im Zuge der "Aufrüstung" des Gebäudebestands und unter Spardruck streben zuneh-mend auch Kirchgemeinden einen wirtschaftlicheren und ökologischeren Betrieb ihrer Bauten an. Verständlicherweise nimmt man dabei i.d.R. an, dass unter den verschiedenen Möglichkeiten der Verbesserung der Energieeffizienz die Fensterflächen bedeutende Faktoren bilden. Historische Kir-chenfenster werden dabei oft zu zentralen Objekten bei der Abwägung denkmalpflegerischer und energetischer Gesichtspunkte, da zusätzliche Verglasungselemente neben Wärmedämmung auch den Schutz der Werke vor Umwelteinflüssen sowie konservatorische Aufgaben übernehmen sollen.

Die Brisanz des Problems ist bekannt. Im Hinblick auf die zunehmende Zahl energetischer Ertüch-tigungen historischer Bauten und steigender Verlustrisiken sucht man seit einiger Zeit nach Lösun-gen und neuen Ansätzen für einen Substanz schonenden und denkmalpflegerisch korrekten Um-gang mit bestehenden Fenstern. Vor allem im Bereich der Kirchenverglasungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts fehlen jedoch Lösungen, die den verschiedenen Ansprüchen (Substanzerhalt, Energie und Umwelt, Nutzung, Brandschutz, etc.) gerecht werden. Dabei stellen gerade diese den weitaus grössten Teil der Objekte dar, die in der täglichen Praxis zur Bearbeitung kommen.

Die Abwägungen und Berechnungen bei der Beurteilung von Massnahmen sind komplex und ver-langen klare, auf die Spezifität des Baus und der Ausstattung ausgerichtete Vorgaben sowie eine Priorisierung der Ziele. Hauptanliegen des Projektes ist es daher, unter Berücksichtigung energeti-scher Aspekte neue Grundlagen zur Beurteilung technologischer Fragen und Kriterien zur übergrei-fenden denkmalpflegerischen Bewertung zu entwickeln. In Berücksichtigung aktueller und zukünf-tiger energetischer Anforderungen werden neue bautechnologische und konservierungs-technische Lösungsansätze für einen umfassenden Schutz und ein langfristiges Objektmanagement aufgezeigt.

Grundlage des Projekts bilden Untersuchungen an ausgewählten Kirchenobjekten. Vorgesehen ist die Charakterisierung und Dokumentation des Zustands der Glasmalereien, der Rahmenelemente und Schutzverglasungen, die Ermittlung der korrosiven Belastung und die Beurteilung der thermi-schen und hygrischen Auswirkungen bestehender Verglasungen auf die historischen Glasmalereien und auf die Bauhülle. Im Zentrum der Untersuchungen stehen aber auch übergeordnete Fragen: Werden über solche Schutzverglasungen wesentliche energetische Verbesserungen erreicht? Wie können Kosten/Nutzen und die Verhältnismässigkeit geplanter Massnahmen eingeschätzt bzw. berechnet werden? Welche Bedeutung ist in den Gesamtbilanzen den Folgekosten beizumessen, zum Beispiel im Hinblick auf Lebensdauer und Garantie von Isolierverglasungen?

Die ermittelten Beurteilungskriterien zu Verglasungstypen werden an Modellbeispielen getestet. Dabei werden unterschiedliche Lösungsansätze überprüft und verschiedene Faktoren (Konservie-rung der Glasmalereien, Erhaltung und Erscheinungsbild der Baudenkmäler, Energiehaushalt, Kosten/Nutzen, Langzeitperspektiven) gegeneinander abgewogen. Konkret geht es bei den Unter-suchungen auch um eine Analyse der Verlustrisiken und Vermeidung konservatorischer, denkmalpflegerischer und bauphysikalischer Fehlentscheidungen.
Die Ergebnisse werden in Form von Leitsätzen und Beurteilungsgrundlagen für die unmittelbare Umsetzung in die Praxis festgehalten.


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Abstracts von Modellprojekten, die durch die Stiftung unterstützt werden


ENERGIE UND BAUDENKMAL


UMGANG MIT SCHUETZENSWERTEN BAUTEN DER 1950er-1970er JAHRE


BAULICHE VERDICHTUNG UND DENKMALPFLEGE


NATURWISSENSCHAFT UND TECHNOLOGIE IN DER DENKMALPFLEGE


Abstracts von Modellprojekten 2007 - 2010


Kompetenzverbund Konservierung


Projektergebnisse / Schlussberichte von Modellprojekten


Bildgebende Ramanmikroskopie als Schlüssel zur Herstellungstechnologie von Roman- und Portlandzementen des 19. Jahrhunderts: HKB, Hochschule der Künste, Bern


Centre Le Corbusier - Beiträge zum Instandsetzungskonzept: ETHZ/IDB


Patrimoine moderne, économie, énergie. Stratégies d'intervention pour les grands ensembles 1945 - 1975: EPFL/ENAC, Lausanne


Kriterien und Strategien zur Verdichtung von Siedlungsstrukturen der Nachkriegszeit: ZHAW/Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften - Institut Urban Landscape


Interdisziplinäre Studien der historischen Malschichten des Basler Münsters: SNM/Schweizerisches Nationalmuseum


Historische Holzverbindungen - Untersuchung des Trag- und Lastverformungsverhaltens von historischen Vollholzverbindungen und Erstellung eines Leitfadens für die Baupraxis: BFH/Fachhochschule Bern - Architektur, Holz & Bau


Bauliche Verdichtung und Denkmalpflege - Städtische Verdichtung und Energieverhalten bestehender Gebäude: SUPSI - University of Applied Sciences & Arts of Southern Switzerland


Die Gipse des 19. Jahrhunderts: IDB/ETHZ - Institut für Denkmalpflege und Bauforschung


Wasseraufnahmekoeffizienten historischer Aussenputze: Fachhochschule Bern - Architektur, Holz & Bau


MikroMass - Mikroinvasive Massnahmen zum verdichteten Umbau von Wohnbauten und -siedlungen: Hochschule Luzern - Technik & Architektur


Reproduktion von Bauten und Gebrauchsgegenständen durch 3D Aufnahmen und Rapid Prototyping: Berner Fachhochschule BFH, Architektur, Holz & Bau


4D-Dokumentation - Erschliessung von Untersuchungsergebnissen anhand virtueller 3D-Modelle und Visualisierung von historischen Zuständen unzugänglicher Bereiche für Wissenschaft und museale Vermittlung am Bsp. Ulrichskapelle Müstair: Hochschule der Künste, HKB/BFH, Bern


Leitfaden Fliessendes Grün: HSR, Hochschule Rapperswil. "Pflege und Wiederbepflanzung von Grünflächen des Organischen Städtebaus 1940 - 1970", HSR, Hochschule Rapperswil


Strategien im Bereich Energie und Baudenkmal für Denkmalpflegefachstellen: Konferenz der Schweizerischen Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger, KSD


Energetische und schalltechnische Sanierung von Wohngebäuden der 1950er bis 1970er Jahre: Berner Fachhochschule; Architektur, Holz & Bau


Seismic behaviour of existing reinforced concrete buildings with thin walls: EPFL/EESD, Lausanne


Energetische Sanierung historisch wertvoller Fenster: Fachhochschule Bern, Architektur, Holz & Bau


Optimierung energetischer Massnahmen an Gebäuden von historisch-architektonischem Wert - EnBau: Fachhochschule italienische Schweiz, SUPSI


REHAB, Rénovation et réhabilitation des bâtiments d'habitation du XIX et XX siècles: EPFL Lausanne, ENAC


Risikobasiertes Vorgehen bei der energetischen und klimaschutz-bedingten Verbesserung von hochwertigen Denkmalobjekten": ETH Zürich


Schutzverglasungen historischer Glasmalereien und Kunstverglasungen im Spannungsfeld von Denkmalpflege und energetischer Verbesserung von Baudenkmälern: Vitrocentre Romont; Schweizerischer Fachverband Glasmalerei; EMPA


Erneuerung von Innen - Eine integrale Massnahme zur Verbesserung des Energiehaushaltes von Baudenkmälern: Hochschule Luzern, Kompetenzzentrum Material, Struktur und Energie in Architektur


Materialien und Bauprodukte der Schweizer Architektur der Nachkriegszeit: ETHZ/IDB



Weitere Berichte zu denkmalpflegerischen Fragestellungen:

Link: http://www.idb.arch.ethz.ch/23-0-beratung-und-information.html